Forschungsprojekt: Kulturwissenschaft­liche Linguistik: Werte, Diskurse und sprachliche Repräsentationen

Gefördert durch: Graduiertenakademie der TU Dresden

Titel: Kulturwissenschaftliche Linguistik: Werte, Diskurse und sprachliche Repräsentationen

Laufzeit: 2015–2016

Projektbeteiligte: 

  • Institut für Slavistik, TU Dresden
  • Lehrstuhl für russische Sprache und Fachdidaktik, Institut für Philologie und Interkulturelle Kommunikation, Föderaluniversität Kazan’

Arbeitsgruppe der TU Dresden

  • Prof. Dr. Holger Kuße
  • Dr. Martin Henzelmann
  • Marianna Novosolova

Arbeitsgruppe der Föderaluniversität Kazan’:

  • Prof. Dr. Nailya Fattakhova
  • Dr. Nailya I. Fajzullina (geb. Fedorova)
  • Anastasia Mubarakshina

Projektziel

Im Projekt wurden unterschiedliche Teilprojekte miteinander verknüpft, die zunächst durch Projektarbeit an der TU Dresden und anschließend durch Projektarbeit an der Universität in Kazan‘ ausgearbeitet, diskutiert und ausgewertet wurden. Das Ziel war es, die beiden im Antrag genannten Richtungen der Kulturwissenschaftlichen Linguistik, die humboldtianische und die diskursorientierte, die in Kazan‘ einerseits und in Dresden andererseits jeweils den methodischen Schwerpunkt der Forschung bilden, miteinander zu konfrontieren und ggf. Verknüpfungen herzustellen. Thematisches Zentrum dieser methodischen Zugänge war die Axiologie, d.h. Akte des Bewertens, der Wertetablierung, der Wertekritik und auch des Werteabbaus.

Projektablauf

Vom 01.11.2015 bis 15.11.2015 hielt sich Nailya I. Fajzullina an der TU Dresden auf und wurde vom Institut für Slavistik betreut. In den ersten vier Tagen arbeitete sie im Wesentlichen an ihrem Teilprojekt, recherchierte nach Literatur und besprach mit den Projektpartnern der TU Dresden den Arbeitsverlauf und das weitere Vorgehen zu Erstellung der Publikation. Darüber hinaus präsentierte sie ihr Vorhaben im Rahmen eines Projekttreffens und diskutierte mit allen Projektpartnern über die Zwischenergebnisse. Bereits in Russland konnte sie dazu Fachliteratur finden, die sie nach Dresden mitbrachte und die somit als wichtige Grundlage von allen Beteiligten genutzt werden konnte. Im Seminar zu slavischen Klein‐ und Mischsprachen, welches im Wintersemester 2015/16 am Institut von Holger Kuße und Martin Henzelmann geleitet wurde, stellte sie mit einem Vortrag unter dem Titel „Small Languages in the Republic of Tatarstan“ Sprachminderheiten der Republik Tatarstan, deren linguistische und kulturelle Besonderheiten sowie ihr Siedlungsgebiet vor. Auf dem gemeinsamen Workshop, der am 13. und 14. 11. abgehalten wurde, diskutierte sie mit allen Beteiligten über den weiteren Verlauf des Projekts sowie konkrete Schritte zur Vorbereitung des Treffens in Kazan‘. Dazu zählten etwa Aktivitäten, die vor Ort durchgeführt werden sollten (u.a. Inhalte des Workshops, themenbezogene Publikation in einer Fachzeitschrift gemeinsam mit Martin Henzelmann, s.u., Kontaktaufnahme zu externen Interessenten etc.).

Frau Professor Nailya Fattakhova, die die Kazan‘er Arbeitsgruppe betreute, arbeitete zwischen dem 11. 11. 2015 bis zum 15. 11. 2015 an dem gemeinsamen Projekt in Dresden. Neben ihrer Teilnahme am Workshop und einer Präsentation wurde von ihr vorgeschlagen, die bestehenden Kontakte zu intensivieren und eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen. Es wurde beschlossen, die dazu erforderlichen Schritte einzuleiten und enger zusammen zu arbeiten, besonders im Hinblick auf den Austausch von Studierenden und wissenschaftlichem Personal.

Der zweite große Teil des Projekts wurde durch einen Forschungsaufenthalt von Marianna Novosolova und Martin Henzelmann an der Föderaluniversität Kazan‘ abgedeckt. Der Aufenthalt von Marianna Novosolova lag zwischen dem 27.03.2016 und dem 20.04.2016, während Martin Henzelmann vom 29.03.2016 bis zum 17.04.2016 in Russland war. Der offizielle Beginn der Projekttätigkeit wurde im DAAD‐Zentrum der Universität veranstaltet und neben den beiden Nachwuchsforschern der TU Dresden waren daran Thilo Zinecker als Direktor des DAAD‐Informationszentrums, Maria Kulkova vom Institut für Philologie und Interkulturelle Kommunikation, die Koordinatorin der Kazan‘er Projektgruppe Nailya Fattakhova sowie ihre Mitarbeiterin Nailya I. Fajzullina anwesend. In diesem Rahmen wurden nicht nur die Optionen des DAAD thematisiert, sondern auch erste konkrete Planungen zur Durchführung gemeinsamer projektbezogener Aktivitäten besprochen sowie Schritte zur nachhaltigen Intensivierung der bestehenden Kontakte eingeleitet. Es wurde festgelegt, dass auf eine Erweiterung des akademischen Netzwerks zugearbeitet wird und dass zu diesem Zweck externe Spezialisten am bevorstehenden Workshop teilnehmen werden.

Im weiteren Verlauf der ersten Aufenthaltstage wurden unterschiedliche Seminare an der einladenden Institution besucht sowie zwei Gastvorträge von Martin Henzelmann am Institut für Germanistik und am Institut für Slavistik gehalten. Darüber hinaus wurde in der ersten Woche des Aufenthalts der Workshop in Absprache mit den Projektpartnern geplant. Zu diesem Zweck wurde weiterhin Material gesammelt, Bibliotheksrecherche betrieben sowie eigene Feldforschung durchgeführt.

Während des Aufenthalts von Prof. Dr. Holger Kuße vom 07.04.2016 bis zum 11.04.2016 fand am 07. Und 08. 2016 der Workshop aller Projektbeteiligten statt, in dessen Verlauf das Publikationsvorhaben konkretisiert werden konnte, welches unter der Herausgeberschaft von Prof. Kuße entsteht. An dem Workshop beteiligten sich ebenso externe Kollegen, die zukünftig enger mit dem Institut für Slavistik kooperieren sollen. Im Workshop konnten die in Dresden verfolgten Ansätze der Kulturwissenschaftlichen Linguistik in Kazan‘ über den Kreis der Projektbeteiligten hinaus bekannt gemacht werden. Das Interesse der dortigen Studierenden besonders bei einem der Vorträge von Professor Dr. Holger Kuße in Kazan‘ war ausgesprochen rege und lebhaft – und dass obwohl der zweite Tag des Kazan‘er Treffens auf einen Samstag fiel. Eingeführt wurde im Rahmen dieser Veranstaltung in die Grundlagen der Kulturwissenschaftlichen Linguistik diskursiver Orientierung, um diese dann in einem weiteren Vortrag zur religiösen Sprache unter den Bedingungen der Säkularisierung an diesem axiologisch sehr stark durchdrungenen Diskursbeispiel exemplarisch zu erläutern.

In Kazan‘ wurden alle Teilprojekte ausgewertet, inhaltlich diskutiert, besprochen und kommentiert. Auch die nicht unmittelbar an das Projekt gebundenen Wissenschaftler wurden eingeladen, sich an der gemeinsamen Publikation zu beteiligen und somit den ersten Schritt für eine weitere Zusammenarbeit zu legen. Auf dieser Grundlage wurde ausführlich das Format der geplanten Publikation diskutiert, deren Ausgestaltung konkretisiert und ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis skizziert.

Zum Abschluss ihres Aufenthaltes war es Marianna Novosolova möglich, der Verteidigung der Dissertation von Anastasia Mubarakshina beizuwohnen und einen Eindruck vom Verfahren an der Partneruniversität zu gewinnen.

Martin Henzelmann arbeitete während des gesamten Aufenthalts an einer zusätzlichen gemeinsamen projektbezogenen Publikation mit Nailya I. Fajzullina, die in der Fachzeitschrift der Kazan‘er Universität „Filologija i kultura. Philology and Culture“ unter dem Titel "Frejmovaja semantika v zerkale ėkologičeskogo diskursa v russkom jazyke na primere tekstov o Volžsko-Kamskom zapovednike" in Heft 1/2016, 43, S. 158-163, erschien. Darin werden erste Ergebnisse der eigenständigen Untersuchungen vorgestellt und Material ausgewertet.

Ergebnisse

Der gemeinsame Sammelband wird unter dem Titel „Kulturwissenschaftliche Linguistik und Sprachkulturologie. Dresdener und Kazan’er Beiträge zur Axiologie“ erscheinen. Die Besonderheit des Bandes liegt darin, dass auf die Beiträge der Projektbeteiligten jeweils ein Kommentar seitens eines Teilnehmers/einer Teilnehmerin der anderen Gruppe folgt, so dass ein Diskussionsband entsteht. Der Band soll im Herbst 2016 in den Druck gegeben werden.

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Nils Hilkenbach
Letzte Änderung: 25.10.2016