Forschungsprojekt: Aggression und Argumentation - Konfliktdiskurse und ihre sprachliche Verhandlung

Gefördert durch: VolkswagenStiftung

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Titel: Aggression und Argumentation: Konfliktdiskurse und ihre sprachliche Verhandlung 

Initiative: Trilaterale Partnerschaften – Kooperationsvorhaben zwischen Wissenschaftler(inne)n aus der Ukraine, Russland und Deutschland

Laufzeit: 3 Jahre (Mai 2016 - April 2019)

Projektverantwortliche

  • Dr. Marina Scharlaj, Technische Universität Dresden, Institut für Slavistik
  • Dr. Olena Taranenko, Ph.D., Donetsk National University, Institute of Journalism
  • Prof. Dr. Valerii Efremov, Herzen State Pedagogical University of Russia, St.Petersburg, Faculty of Philology 

Projektinhalt

Seit den Protesten auf dem Euromajdan stellt die Ukraine einen Schauplatz dar, auf dem Wertedifferenzen und konträre Legitimierungsdiskurse ausgetragen werden. Dabei bedienen sich die Konfliktparteien je nach verfolgter Kommunikationsabsicht sowohl rationaler Argumentation als auch aggressiver Rhetorik. Ausgehend vom aktuellen Konfliktdiskurs um die Ukraine untersucht das Projekt die Argumentationsstränge und –strategien, die zum einen in verschiedenen nationalen Diskursen, zum anderen in verschiedenen Kommunikations- formaten entwickelt werden. Anhand von politischen Reden und Rechtstexten, medialen Formaten wie Fernsehen, Radio, Printmedien sowie Kommunikation in sozialen Netzwerken werden die in jeweiligen nationalen Diskursen typischen Haltungen, etablierten Werte, historischen Reminiszenzen und tradierten Bilder diskutiert, um so die Dimensionen der sprachlichen Verhandlung von Aggression und Argumentation, von Kooperation und Konflikt generell zu erfassen.

Das Projekt fragt allgemein danach, wie Konflikte erzeugt, zum Ausdruck gebracht und gelöst werden. Speziell untersucht werden folgende Fragen: Welche Formen nehmen Konflikte in unterschiedlichen Kommunikationsbereichen an? Welche Unterschiede lassen sich im Verlauf der letzten Jahre in der Ukraine und in Russland national, ethnisch, medial und diskursiv nachweisen? Wie werden die Differenzen aufgehoben? Das heißt: Welche positiven Formen der Konfliktbewältigung sind parallel zu beobachten? Die Analyse versteht sich als Beitrag zur Entwicklung der Konfliktlinguistik und schließt v.a. an pragma- linguistische Fragestellungen und Methoden der kulturwissenschaftlichen Linguistik an. Das Projekt ergänzt die bestehende Konfliktforschung, indem es kooperative Kommunikation der Konfliktbewältigung (z.B. kontroverses Argumentieren) berücksichtigt und so den Konflikt nicht auf aggressives kommunikatives Handeln beschränkt.

Neben der theoretischen Modellierung einer Konfliktlinguistik verfolgt das Forschungs- vorhaben das Ziel, die Erkenntnisse in Form einer offenen Lehr-Lernplattform für den Wissenstransfer umzusetzen. Im Rahmen des trilateralen Projektes sollen neue Konzepte für internationale Workshops im Bereich des Konfliktmanagements entwickelt und erprobt werden. Im Sinne der praxisbezogenen Nachhaltigkeit werden die Forschungs- und Praxisergebnisse nicht nur für die universitäre Ausbildung, sondern auch für Trainerinnen und Trainer von Lehrpersonal und Medienvertretern zur Verfügung gestellt. 

Zielsetzung und Begründung

Das geplante Vorhaben hat zwei Zielsetzungen: An der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis soll es zum einen der Theorieentwicklung dienen und neue kultur-linguistische Zugänge zum Phänomen des Konflikts erarbeiten. Zum anderen aber soll das Projekt zum unmittelbaren Wissenstransfer beitragen. Insbesondere handelt es sich hier um den Erkenntnistransfer von Deutschland nach Russland und in die Ukraine. Sowohl im Hinblick auf methodische Fragestellungen und interkulturelle Vermittlungsperspektiven als auch unter Berücksichtigung der neueren (in Osteuropa nur schwach etablierten) Konzepte der Wissensvermittlung soll im Projekt eine Ausgangsplattform geschaffen werden, auf welcher in trilateraler Kooperation mit russischen und ukrainischen Nachwuchswissenschaftler/innen, Sprachexpert/innen, Medienvertreter/innen und Studierenden die Konfliktproblematik wissenschaftlich diskutiert, an konkreten Beispielen dargestellt und darüber hinaus praktisch erprobt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Konfliktdynamik. Berücksichtigt werden die sprachliche Initiierung von Konflikten, ihre Austragung in unterschiedlichen diskursiven Formaten sowie auch Beispiele für Konfliktlösungen. 

Erwartete Ergebnisse

Im Projekt werden Antworten zu den Fragestellungen „Wie werden Konflikte initiiert, wie sie zum Ausdruck gebracht und gelöst werden?“ erwartet. Die Bearbeitung dieser Frage- stellungen erfolgt unter Berücksichtigung der aktuellen Konfliktsituation im osteuropäischen Raum. Durch die intensive Zusammenarbeit und den wissenschaftlichen Austausch mit Fachkolleginnen und Fachkollegen aus Russland und der Ukraine wird eine Wiederaufnahme einer grenzüberschreitenden Verständigung angestrebt und der Dialog gefestigt. Im Zusammenhang mit dem geplanten Vorhaben sollen folgende Ergebnisse erzielt werden:

  •  Zusammenstellung der repräsentativen Korpora für die Untersuchung des Konflikts

  •  theoretische Modellierung einer Konfliktlinguistik

  •  wissenschaftliche Publikationen in Form von einzelnen Artikeln in der Zeitschrift für

    Slawistik (peer reviewed) sowie auch in einer gemeinsamen Monographie

  •  neue Konzepte für internationale Workshops im Bereich des Konfliktmanagements,

    Transaktion des Wissens in offenen Lehr-Lernplattformen

  •  Handreichung zum Thema Konflikt und Konfliktbewältigung für Studierende,

    Nachwuchswissenschaftler/innen, Trainer/innen von Lehrpersonal

  •  Synergieeffekte durch integrierte Zusammenarbeit zwischen dem wissenschaftlichen

    Nachwuchs, etablierten Wissenschaftler/innen und Medienvertreter/innen

  •  Bildung eines internationalen Kooperationsnetzwerks, das über das Projekt hinaus

    fortbesteht und weiter ausgebaut wird. 

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Nils Hilkenbach
Letzte Änderung: 21.10.2016