03.11.2017

Geistesblitze und Schwarze Löcher

Schüler und Schülerinnen beim Experimentieren © Dr. Walter Keller Schüler und Schülerinnen beim Experimentieren © Dr. Walter Keller
Schüler und Schülerinnen beim Experimentieren

© Dr. Walter Keller

Im Interview mit Dr. Walter Keller, Cheforganisator der Veranstaltungsreihe "Physik am Samstag". Am 4. November startet die 18. Staffel des äußerst erfolgreichen Angebots für wissenshungrige Schülerinnen und Schüler ab Klasse 10. (Erschienen im UJ 17/2017)

Auch in diesem Jahr verspricht das Programm der öffentlichen Veranstaltungsreihe „Physik am Samstag“ wieder spannende Einblicke in die Welt der Physik: von Funkenschlag und Geistesblitzen über Phasenübergänge hin zu Schwarzen Löchern als Staubsauger. Seit Anfang an dabei und organisatorisches Herzstück der Reihe ist Dr. Walter Keller. Eigentlich ist er mittlerweile im Ruhestand, aber er hat in der Fakultät Physik das Versprechen gegeben, bis zur 100sten Veranstaltung im nächsten Jahr dabei zu bleiben. UJ befragte ihn zu seiner Motivation und seinen Erfahrungen.

Dr. Walter Keller vor seinem Arbeitsplatz © Nicole Gierig Dr. Walter Keller vor seinem Arbeitsplatz © Nicole Gierig
Dr. Walter Keller vor seinem Arbeitsplatz

© Nicole Gierig

Dr. Keller, wie entstand vor 18 Jahren die Idee, die Reihe „Physik am Samstag“ für Schülerinnen und Schüler an der TUD anzubieten?

Walter Keller: Eigentlich stammt die Idee aus den USA, sie wurde in Deutschland zuerst von der TU Darmstadt aufgegriffen. Im Jahr 2000 fand dann deutschlandweit das „Jahr der Physik“ statt, in dessen Rahmen auch in Dresden Physik-Veranstaltungen für die Öffentlichkeit (z.B. „Physik im Kaufhaus“) angeboten wurden und am Jahresende dann eben erstmals auch „Physik am Samstag“ – in den ersten drei Jahren an 7 Sonnabenden, später wurde das auf 5 reduziert.

Welche Ziele haben Sie damals verfolgt und welche verfolgen Sie vielleicht heute mit der Veranstaltungsreihe?

Ich glaube, dass sich an den Zielen wohl nicht viel geändert hat: wir wollten und wollen einen Beitrag dazu leisten, allgemein das Image von Naturwissenschaften in der Gesellschaft zu verbessern - wir als Physiker machen das natürlich auf dem Gebiet, das uns am nächsten liegt. Leider erlebt man auch heute noch, dass sich jemand damit brüstet, in Physik und meist auch gleich noch in Mathe in der Schule schlecht gewesen zu sein und dass dann trotzdem etwas Tolles aus einem geworden ist. Nun müssen um Gotteswillen nicht alle den absoluten physikalischen Durchblick haben, aber wenigstens anerkennen, dass allein Juristen, Wirtschaftler oder Fernsehmoderatoren kaum einen gesellschaftlichen Fortschritt garantieren können. Es ist doch gut, dass nicht alle Menschen gleiche Interessen haben - das sollte man gegenseitig respektieren. Wir wollen einfach zeigen und das insbesondere jungen Menschen, dass es Spaß machen kann, sich mit Physik zu beschäftigen. Dazu bemühen wir uns auch um möglichst viele Gelegenheiten für die Teilnehmer, Physik im wahrsten Sinne zu „begreifen“. Bei der Umsetzung dieses Zieles haben wir auch häufig den Vorteil genutzt, den uns die Physik-Landschaft Dresdens mit den vielen außeruniversitären Instituten bot, wo sich Gleichgesinnte fanden und finden.

Was fasziniert Sie persönlich an der Physik?

Einmal einfach die Logik. Zum anderen die Möglichkeiten mit Hilfe der Physik zu ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Mit Sendungen wie der „Big Bang Theory“ wird die Wissenschaft als solche zunehmend populärer. Konnten Sie in den letzten Jahren veränderte Interessen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern feststellen?

In den Medien hat sich wirklich viel getan, was aber noch aus meiner Sicht zu keiner signifikanten Änderung in der Interessenslage geführt hat! Wir sehen bei unserem Konzept in der Möglichkeit, sich direkt mit Experimenten zu befassen und damit Physik selbst zu erleben, einen Vorteil gegenüber dem Internet oder Fernsehen.

Sie haben jedes Jahr bis zu 500 Plätze zur Verfügung. Kaum zwei Wochen nach Anmeldebeginn waren diese belegt. Ein Diplom bekommt aber nur derjenige, der an vier oder allen fünf Veranstaltungen teilgenommen hat. Wie viele Diplome verteilen Sie im Durchschnitt am Ende der letzten Veranstaltung?

Also der Große Physikhörsaal hat 700 Plätze, die auch schon des Öfteren bei uns alle besetzt waren. Unsere Veranstaltungen sind grundsätzlich öffentlich, neben den angemeldeten Teilnehmern kann also jeder kommen, solange Platz ist. Die Zahl 500 ergibt sich aus organisatorischen Gründen, schließlich erhält jeder angemeldete Teilnehmer Stift und Mappe und bei entsprechend vielen Teilnahmen eben das Diplom bzw. die Möglichkeit am abschließenden Hauptquiz teilnehmen zu können. Dafür müssen wir einen Nachweis haben, brauchen also Namen und Schule und letztendlich muss alles mit Sponsorengeldern bezahlt werden. Im vergangenen Jahr haben Rektor und Sprecher der Fachrichtung 362 Diplome unterschrieben, die wir dann an 46 Gymnasien oder Berufliche Schulzentren geschickt haben - im Jahr 2014 waren es sogar 411…

Welche Highlights stehen in diesem Jahr auf dem Programm?

Ich bin mir recht sicher, dass unsere 5 Vortragenden wieder allesamt interessante und in unserem Sinne wirkungsvolle Veranstaltungen vorbereitet haben  - besondere thematische Aktualität ergibt sich aus der diesjährigen Vergabe der Nobelpreise: so kann Frau Prof. Hieckmann am 18. November auf den Nobelpreis in Chemie zum Thema Mikroskopie und Herr Prof. Zuber am 2. Dezember auf den Physik-Nobelpreis zur Beobachtung von Gravitationswellen eingehen!

Was war Ihr persönliches Highlight der vergangenen Jahre? An welchen Moment erinnern Sie sich besonders?

Ich kann mich weder im positiven und zum Glück auch nicht im negativen Sinne an ein besonderes Ereignis erinnern. Natürlich gab es besonders gelungene Vorträge, aber das trifft auf eine ganze Reihe zu und ist damit nicht hervorhebenswert. Ich bin immer wieder froh, wenn der Hörsaal gut gefüllt ist, das Publikum eine interessante Physikshow geboten bekommt und wir dem Rektor am Ende eine große Zahl „Physik am Samstag“-Diplome zur Unterschrift vorlegen können.

Haben Sie bereits Pläne für die 100. Veranstaltung im nächsten Jahr? Was würden Sie sich wünschen?

Meine Wünsche sind ganz einfach: gesund bleiben, viele Physik-Interessierte bei überzeugenden Vorträgen, viele Diplomberechtigte und nicht zuletzt Sponsoren, die uns auch materiell weiter so gut unterstützen.   

 Weitere Informationen und das Programm zu „Physik am Samstag“ finden Sie unter: https://tu-dresden.de/mn/physik/schueler-und-lehrer/samstag

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Nicole Gierig
Letzte Änderung: 03.11.2017