Forschungsgruppe "Auditive Vergesellschaftun­gen"

Die Forschungsgruppe untersucht ungestaltete, gestaltete und komponierte auditive Phänomene in ihrer Einbindung in Vergesellschaftungsprozesse. Gefragt wird nach den situativen, historischen und kulturellen Bedingungen, unter denen sie sich ereignen und vernehmbar werden, wie auch nach den Subjektivitäten, sozialen Gruppen, Institutionen und Strukturen, für die sie wirksam werden. Untersucht werden insbesondere solche Gegenstände, bei denen Klänge eine besonders herausragende Rolle einnehmen, beispielsweise Audiomedien (von der Radiophonie bis zum Hörbuch) oder populäre Musikkulturen (von den Subkulturen bis zu netzbasierten Fankulturen).

Die Forschungsgruppe interessiert sich aber auch dafür, welche Rolle das Auditive in sozialen Konstellationen spielt, bei denen es scheinbar hintergründig ist, beispielsweise im öffentlichen Raum, im Sport (Fußball, Rennsport) oder im Produktdesign. Sie geht insgesamt von der These aus, dass auditive Phänomene vielfältige - auch latente - gesellschaftliche Funktionen erfüllen können und dabei zugleich - als Wahrnehmungsphänomene - immer auch leiblich wirksam werden. In ihnen ist somit Ästhetisches und Soziales stets untrennbar aufeinander bezogen.

Mit der Bezeichnung "Auditive Vergesellschaftungen" soll bewusst über die schon bei Georg Simmel, Helmuth Plessner und anderen klassischen Autoren zu findenden sinnesanthropologischen Einordnungen des Hörsinns als eines primär vergemeinschaftenden Wahrnehmungsmodus hinausgegangen werden. Unser Anliegen ist es im Kontrast dazu, die qualitativen und quantitativen Veränderungen unserer Hörweisen und -bedingungen ausgehend von der These zu bearbeiten, dass die "vergemeinschaftenden" Effekte, die das Hören fraglos hat, in übergreifende gesellschaftliche Dispositive eingebunden sind und damit auch den Charakter von "Vergesellschaftungen" haben.

Die Forschungen der Gruppe zu auditiven Vergesellschaftungen sind interdisziplinär. Sie greifen zurück auf Arbeiten aus der Soziologie der Sinne, den Sound Studies, dem Produktdesign, der Psychologie, der Musikwissenschaft, der Mediensoziologie, der Körpersoziologie und der Tanzforschung. Der internationale Vergleich von auditiven Phänomenen in Kulturen ist dabei ein wichtiges Forschungsinteresse, denn durch interkulturelle Vergleichsstudien lassen sich latente Wissensbestände und schwer zugängliche kulturelle Selbstverständlichkeiten aufdecken.

Die Gruppe ist aus mehreren Forschungsprojekten und -zusammenhängen heraus entstanden, die an der Professur für soziologische Theorien und Kultursoziologie an der TU Dresden durchgeführt wurden oder werden. Ihre Mitglieder sind inzwischen aber auch an anderen Orten und in anderen Zusammenhängen aktiv. Das gemeinsame Interesse an auditiven Vergesellschaftungen wird in der Gruppe deshalb unabhängig von der institutionellen Verortung ihrer Mitglieder weiterverfolgt. Die von Dominik Schrage und Holger Schwetter herausgegebene Buchreihe "Auditive Vergesellschaftungen: Hörsinn - Audiotechnik - Musikerleben" steht in engem Zusammenhang mit der Forschungsgruppe.

Die Forschungsgruppe besteht aus:

Dr. Holger Schwetter

2018 Lehrbeauftragter an der H:G, Hochschule für Gesundheit & Sport & Technik & Kunst, Berlin

  • 2014-2017 wiss. Mitarbeiter (Postdoc) im DFG-Projekt "Time has come today. Die Eigenzeiten popmusikalischer Chronotope und ihr Beitrag zur temporalen Differenzierung von Lebenswelten seit den 1960er Jahren" (SPP 1688 "Ästhetische Eigenzeiten") an der Professur für soziologische Theorien und Kultursoziologie, Institut für Soziologie der TU Dresden
  • 2014 Promotion zum Dr. phil. im Fach Musikwissenschaft an der Universität Kassel
  • Studium der Musikwissenschaft und Medienwissenschaft an der Universität Osnabrück (Magister Artium)

Anne-Kathrin Hoklas, M.A.

  • wiss. Mitarbeiterin (Postdoc) an der Professur für soziologische Theorien und Kultursoziologie, Institut für Soziologie der TU Dresden
  • 2015-2017 wiss. Mitarbeiterin im DFG-Projekt "Time has come today. Die Eigenzeiten popmusikalischer Chronotope und ihr Beitrag zur temporalen Differenzierung von Lebenswelten seit den 1960er Jahren" (SPP 1688 "Ästhetische Eigenzeiten") und Doktorandin an der Professur für soziologische Theorien und Kultursoziologie, Institut für Soziologie der TU Dresden.
  • Dissertation "Mediales Musikhören als soziomaterielle Praxis im Wandel. Generationsspezifische Praktiken und Orientierungen der Audiomediennutzung" (Publikation in Vorbereitung). Verteidigung 11/2017 an der Philosophischen Fakultät der TU Dresden.
  • 2004-2010 Studium der Soziologie an der Universität Rostock (B.A. und M.A.)

Prof. Dr. Dominik Schrage

  • Inhaber der Professur für soziologische Theorien und Kultursoziologie, Institut für Soziologie der TU Dresden (seit 2015)
  • 2010-2015 zunächst Vertreter und ab 2012 Inhaber der Professur für Kultur- und Mediensoziologie an der Leuphana Universität Lüneburg
  • 2014-2017 Leiter des DFG-Projekts "Time has come today. Die Eigenzeiten popmusikalischer Chronotope und ihr Beitrag zur temporalen Differenzierung von Lebenswelten seit den 1960er Jahren" (SPP 1688 "Ästhetische Eigenzeiten")
  • 2000 Promotion zum Dr. phil. im Fach Soziologie an der Philosophischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dissertation "Psychotechnik und Radiophonie. Subjektkonstruktionen in artifiziellen Wirklichkeiten 1918-1932"
  • 2008 Habilitation an der Philosophischen Fakultät der TU Dresden. Habilitationsschrift "Die Verfügbarkeit der Dinge. Eine historische Soziologie des Konsums" (2009)

Dr. Miklas Schulz

  • wiss. Mitarbeiter am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz-Universität Hannover
  • 2012-2016 Doktorand an der Leuphana Universität Lüneburg, Professur für Kultur- und Mediensoziologie (Inhaber bis 2015 Dominik Schrage)
  • 2002-2008 Studium der Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen (Magister Artium)

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Dominik Schrage
Letzte Änderung: 06.02.2018