Marie-Luise Apelt

Marie Luise Apelt hat von 2005-2011 Gemeinschaftskunde an der technischen Universität Dresden studiert und war in dieser Zeit auch als studientische Hilfskraft an der Professur tätig. Nachdem Sie eine Weile an einer freien Schulen gearbeitet hat, ist Sie heute Gymnasiallehrerin an einem staatlichen Dresdner Gymnasium.

LApelt © A. Besand LApelt © A. Besand
LApelt

© A. Besand

Die letzten Jahre waren sehr aufregend und abwechslungsreich. Nachdem ich nach dem Referendariat aufgrund meiner Fächerkombination nur ein Angebot von einer staatlichen Grundschule erhalten hatte, suchte ich mir selbst 2 Schulen in freier Trägerschaft. Dies ermöglichte es mir viele Erfahrungen im Bereich der politischen Schulen zu sammeln und mich im Bereich der Integration weiterzubilden. Hier reifte auch die Erkenntnis, dass politische Bildung in jeder Schulform funktioniert und mit Interesse aufgenommen wird. Allerdings wollte ich nach wie vor ein festes Arbeitsverhältnis eingehen und nicht von Honorartätigkeit leben und bewarb mich ein zweites Mal beim Staat. 2 Wochen vor Schuljahresbeginn gab es dann eine überraschende, befristete Vertretungsstelle, welche sich nun in einen dauerhaften Job an einem Dresdner Gymnasium verwandelt hat. Die Umstellung war immens. Kurslehrerin, Klassenlehrerin, Vertrauenslehrerin, Mentorin, Projektleiterin und viele weitere Aufgaben sind bisher dazugekommen. Schule ist viel mehr als reines Unterrichten. Dies hatte ich anfänglich stark unterschätzt. Trotzdem macht der Job nach wie vor großen Spaß.

Das Studium kann einen auf die Flut an Aufgaben nur bedingt vorbereiten, aber es bietet eine gute Grundlage. Ich erinnere mich an die Didaktikseminare an der Professur für politische Bildung und die SPÜ- Veranstaltungen. Die Materialien aus dieser Zeit nutzte ich noch heute. „Nicht indoktrinieren sondern die Schüler selber Erkenntnisse gewinnen lassen“, Politikunterricht hat eben wenig mit reiner Wissensvermittlung zu tun. Das fällt vielen schwer. Zugewand zu bleiben, wenn die Diskussion gerade in aktueller Zeit sehr hitzig ist. Als Gemeinschaftskundelehrer muss man viel aushalten können, auch hier hat mir das Studium geholfen.

GRW ist kein dankbares Fach. Es steht im Stundenplan nicht an erster Stelle, beginnt in Sachsen viel zu spät, in einer Phase in der viele Jugendliche allgemein wenig motiviert sind. Eine Stundenplanung oder vom letzten Jahr funktioniert so gut wie nie ein zweites Mal und durch die wenigen Stunden, kommt man gern mal auf 13 Klassen im Schuljahr (weswegen man als zweite Fach am besten ein Hauptfach studieren sollte). Für mich ist es trotzdem mein absolutes Lieblingsfach, weil man die Schülerinnen und Schüler ganz anders erlebt, man ist näher dran, diskutiert, motiviert, begeistert und ist einfach näher dran am Schüler als es andere Fächer ermöglichen. Lehrer sein ist wunderbar, man bleibt jung und gestaltet aktiv seinen Alltag und den der Schüler mit.

Mein Tipp: Man sollte sich genau überlegen, ob man bereit ist einen Job zu machen, der keine festen Arbeitszeiten kennt. Vieles läuft nachmittags, am Abend oder am Wochenende zusätzlich ab und man ist eigentlich nie fertig. Genau deswegen sollte man das Fach Gemeinschaftskunde/GRW mit einem weniger arbeitsintensiven Fach und höheren Stundenvolumen (wie Mathe, Sport oder Englisch) kombinieren. Das verbessert auch die Chancen auf Einstellung. Ein breites Interesse an Politik aber vor allem auch an Wirtschaft und Recht sind Grundvorrausetzungen und dann läuft das schon mit dem für mich „schönsten Fach der Welt“.

Ach und noch ein wichtiger Spruch zum Schluss: "Bildung ist das, was übrig bleibt wenn wir vergessen, was wir gelernt haben"

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Anja Besand
Letzte Änderung: 25.10.2018