19.06.2017

Tabus und Überschreitungen: Die ungeschriebenen Gesetze des Zusammenlebens.

Taboo

Was jeweils als Tabu und Grenzüberschreitung gilt, kann in verschiedenen Kulturen ganz unterschiedlich definiert werden. Wenn Menschen fremder Kulturen aufeinandertreffen, gerät die Unkenntnis über die Tabus der Anderen leicht zum Stolperstein in der Kommunikation. Welche Tabus und Grenzüberschreitungen tauchen in Migrations- und Integrationsprozessen auf? Welche Tabus hemmen den Integrationsprozess? Gibt es Tabus und Transgressionen, die Integration fördern? Diese und weitere Fragen über die Grenzen von Kommunikation im Kontext von Migration und Integration untersuchen Wissenschaftler am 22. Juni 2017 in der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB). Die internationale Tagung „Taboo and Transgression. The Power of the (Un)Told“ widmet sich Themen wie hate speech, tabuhafter Rede und generell dem Verhältnis von Tabu und Transgression in der interkulturellen Kommunikation. Das Ziel der Konferenz ist zunächst die Klärung und die Schärfung grundlegender Begriffe wie Tabu, Transgression, Integration, postmigrantische Gesellschaft. In einem weiteren Schritt werden sich die Teilnehmer intensiv mit Schweigen und Überschreitung in Handlungen, in der Kommunikation und in der Sprache aus interdisziplinärer Perspektive beschäftigen und gemeinsam Perspektiven für eine tabusensible Integrationsforschung entwickeln.

Als Begleitprogramm zur wissenschaftlichen Tagung veranstaltet die SLUB am 21. Juni 2017, 18:00 Uhr, eine öffentliche Autorenlesung und einen Workshop zur persischen Literatur. Zu Gast sind die in Deutschland lebende iranische Autorin Massumeh Ziai und der Übersetzer und ehrenamtliche Mitarbeiter der SLUB Lotfali Semino. Sie stellen ihre Kurzprosa und Lyrik vor und erläutern im Publikumsgespräch den interkulturellen Kontext. Dabei erklären die Gäste, wie sie Tabus und Grenzüberschreitungen in ihre Arbeiten integrieren und wie sie mit der Herausforderung umgehen, ungeschriebene Gesetze aus ihren Kulturen zu übertragen.

Den Abschluss der Konferenz bildet am 22. Juni 2017 der Workshop „Ich komm auf Deutschland zu. Wie Geflüchtete Deutschland wahrnehmen“ mit Firas Alshater. Ab 20:00 Uhr stellt der Filmemacher und YouTube-Star seine Werke vor. Er zeigt verschiedene Videoclips, in denen er auf künstlerischem, humorvollem Weg den transkulturellen Dialog anstößt und gesellschaftliche Stereotype entwaffnend lustig thematisiert. Firas Alshater flüchtete von Syrien nach Berlin und berichtet in seinen Videos und in seinem Buch „Ich komm auf Deutschland zu“ von seinen ganz persönlichen Momenten des Ankommens in Deutschland. Gemeinsam mit den Gästen möchte er über die Herausforderungen und Potenziale des multikulturellen Zusammenlebens diskutieren.

Tabus, die so genannten ungeschriebenen Gesetze des Zusammenlebens, existieren in jeder Gemeinschaft. Ohne Tabus würde keine Gesellschaft funktionieren. Tabus werden durch Sozialisation erworben und haben die wichtige Funktion, Identität zu sichern. Tabubrüche sind entsprechend identitätsbedrohend für Gruppen und Kulturen. Gleichzeitig sind es aber auch Tabubrüche, die neue Entwicklung ermöglichen und Prozesse der gesellschaftlichen Selbstverständigung anstoßen. Ähnlich verhält es sich mit Transgressionen: Die Überschreitungen in Form von verbalen Übergriffen, Hate Speeches und Beleidigungen jeglicher Art können einerseits Integrationsprozesse grundlegend hemmen und Desintegration offenbaren. Sie können aber auch Gegenreaktionen provozieren, die Prozesse von Verständigung und Kommunikation hervorrufen. Vor diesem Hintergrund sind Tabu und Transgression im Kontext von Integrationsprozessen hochgradig relevant und zwar sowohl in ihrer Schutzfunktion als auch in der Notwendigkeit, sie zu überwinden, damit gesellschaftliche Prozesse stattfinden können.

Die internationale Tagung wird finanziert aus Mitteln des ZUK-Förderprogramms zur Umsetzung der Internationalisierungsstrategie der TU Dresden: „TU Dresden – Mit der Welt verbunden“.

Informationen zum Programm: http://www.tu-dresden.de/zfi/tabooandtransgression

Die Tagung wird in englischer Sprache durchgeführt.

Veranstalter:   Zentrum für Integrationsstudien, TU Dresden
Datum:           22. Juni 2017, 9:00 – 20:00 Uhr

Ort:                 Vortragssaal der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und
                        Universitätsbibliothek (SLUB), Zellescher Weg 18, 01069 Dresden, 1. Etage

Das Begleitprogramm findet in deutscher Sprache statt. Der Eintritt ist kostenlos. Für die Autorenlesung „Asseman, kippe Abr - Der Himmel, voller Wolken“ am 21. Juni wird um eine Anmeldung (http://www.slub-dresden.de/service/veranstaltungen/details/veranstaltung/show/8558/) gebeten. Zum Workshop „Ich komm auf Deutschland zu. Wie Geflüchtete Deutschland wahrnehmen“ am 22. Juni sind alle Interessierte herzlich eingeladen.

Information für Journalisten:
Zentrum für Integrationsstudien
Dr. Karoline Oehme-Jüngling
Tel: +49 (0) 351 463-40628
karoline.oehme-juengling@tu-dresden.de

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Letzte Änderung: 19.06.2017