13.07.2018

Wenn Gefühle mitarbeiten. Symposium der TU Dresden zu Mensch und Emotion im Arbeitskontext

Symbolbild Hände © eliola/pixabay Symbolbild Hände © eliola/pixabay

In Pflege- und anderen helfenden Berufen wie auch in vielen Dienstleistungsbereichen arbeiten Emotionen mit – und überfordern Beschäftigte. Das Symposium der TU Dresden will Lösungsansätze hierfür zusammenführen.

Symbolbild Hände

In Pflege- und anderen helfenden Berufen wie auch in vielen Dienstleistungsbereichen arbeiten Emotionen mit – und überfordern Beschäftigte. Das Symposium der TU Dresden will Lösungsansätze hierfür zusammenführen. © eliola/pixabay

Rettungskräfte, Krankenpfleger, Polizisten und mehr: Viele helfende und dienstleistende Tätigkeiten sind täglich emotional gefordert und überfordert. Wo Gefühle ein wichtiger Teil des Jobs sind – als Konsequenz, aber auch als Kompetenz der Arbeit –, da setzen die Konzepte der Emotionsarbeit und Emotionsregulation an. Um aktuelle Erkenntnisse und Ansätze dieser Bereiche auszutauschen und zu verbinden, veranstaltet die Fakultät Psychologie der TU Dresden ab Freitag, 13.07.2018, ein zweitägiges Symposium zum „Spannungsfeld Mensch und Emotionen im Arbeitskontext“.

Theorie und Praxis der Emotionsarbeit vernetzt

„Aktuell macht Dienstleistungsarbeit 75 Prozent der Arbeitsverhältnisse aus“, erklärt Initiatorin Dr. Gabriele Buruck von der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie der TU die Brisanz des Symposiums. „Helfende Berufe und Dienstleister treten in Interaktion mit anderen Menschen und müssen dabei eine emotionale Haltung zeigen. Wir sprechen dabei von Emotionsarbeit.“ Um die zu regulieren, brauche es eine Strategie. „Meistens ist es so, dass als Stressreaktion das System einfach abgeschaltet wird, man kann sich emotional nicht mehr adäquat verhalten.“ Das Resultat ist eine ständige emotionale Dissonanz: Beschäftigte wollen angemessen reagieren; in der konkreten Arbeitssituation aber steht die Wirtschaftlichkeit an oberster Stelle. Ökonomisierung und Flexibilisierung können zwar in manchen Berufen zur Arbeitszufriedenheit beitragen. „Die weitaus größere Forschung zeigt aber Risiken für Beschäftigte“, betont die Arbeitspsychologin.

Lösungsansätze sind in der Theorie bereits vorhanden – doch noch sind Grundlagen- und Anwendungsforschung nicht stark genug vernetzt, um daraus optimale Konzepte zu schöpfen. „Das Symposium ist ein erster Aufschlag, um alle Akteure zusammenzubringen, die zu den Themen Emotionsregulation und -arbeit forschen, und ihre Ergebnisse zu bündeln.“ Insbesondere aus der TU Dresden kommen dabei Impulse aus den Neurowissenschaften, dem Sonderforschungsbereich 940 zu Volition und kognitiver Kontrolle, aber auch aus praxisbezogenen Projekten zu Emotionsregulation und Burnout; die Soziologie stellt gesellschaftliche Aspekte der Forschung. „Wir haben hier ein umfassendes wissenschaftliches Know-how, um die Thematik zu bearbeiten und zu koordinieren“, resümiert Dr. Buruck.

Maßnahmenpakete für Emotionsarbeit im Berufsalltag

Praxisakteure sollen von hier die Theorie in den Berufsalltag überführen. „Aus vorherigen Projekten mit der KURS-Arbeitsgruppe, die sich mit der gesundheitsförderlichen Gestaltung, Lenkung und Entwicklung betrieblicher Strukturen und Prozesse beschäftigt, sind wir vernetzt mit der Berufsgenossenschaft und der AOK, dem Bildungswerk, dem DRK und unterschiedlichen Altenpflegeeinrichtungen.“ Die bereits existenten Maßnahmen, die bislang vornehmlich der Prävention dienen, zielen aufs Verhalten des Arbeitnehmers ab – nun, so Dr. Burucks Wunsch, sollen auch verhältnisbezogene Aufgaben gefördert werden. „Die Praxis braucht Maßnahmenpakete, die im Alltag besser vermittelt und akzeptiert werden können als Einzelmaßnahmen.“

Maßnahmenpakete, die auf den „Arbeitsinseln“ des Symposiums geschnürt und verschifft werden: Stationen zum aktiven Diskutieren und Austauschen. „Meine Mitinitatorinnen Dr. Denise Dörfel, Anne Gärtner, Dr. Anne Tomaschek, und ich, wir sehen uns als Reiseleiter. Die Teilnehmer selbst fahren von Insel zu Insel, sammeln dort Schätze ein und bringen in einer Vernissage alle zusammen.“ Schwerpunktthemen sind Paradigmen der Emotionsforschung, Chancen und Risiken der Regulation von Emotionen, Ökonomisierung von Emotionen in der Arbeitswelt und Gestaltung guter Arbeit und guter Emotionen. Das Symposium ist zugleich die Abschlussveranstaltung eines gemeinsamen Forschungsprojektes mit dem Institut für Arbeit und Gesundheit.

Im Sinne einer Werkstatt diskutieren rund 50 deutschlandweite Expertinnen und Experten aus den Forschungszweigen der Arbeits- und Sozialmedizin, Klinischen und Biologischen Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Arbeits- und Sozialpsychologie ihre wissenschaftlichen Sichtweisen auf Phänomene der Emotionen im Arbeitskontext.

Informationen für Journalisten:

Dr. rer. medic Gabriele Buruck
Institut für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie, TU Dresden
Tel.: +49 (0)351 463 36894
E-Mail: Gabriele.buruck@tu-dresden.de

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Letzte Änderung: 16.07.2018